Praktischer Klimaschutz in Herdecke

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Herdecke,

in seiner Sitzung am 04.07.2019 stimmte die Mehrheit des Herdecker Stadtrates für einen Antrag der Grünen, in Herdecke den Klimanotstand auszurufen. Weiterhin erklärte sich die Bürgermeisterin dazu bereit, bei einigen Beschlussvorlagen die „Auswirkungen auf den Klimaschutz“ durch Auswahl einer der Ankreuzmöglichkeiten „Ja, positiv“, „Ja, negativ“ oder „Keine Auswirkung“ exemplarisch zu testen.

Diese Beschlüsse verursachen lediglich Verwaltungsmehraufwand für alle Beteiligten und damit höhere Kosten. Sie unterbinden den notwendigen offenen Diskurs über den Klimawandel und vertiefen dadurch die Gräben zwischen den Positionen.

In meinem Artikel vom 27.06.2019 „Klimanotstand in Herdecke – Panikmache statt Diskurs!“ (1) hatte ich dazu bereits ausführlich Stellung bezogen und angekündigt, einen praktischen Vorschlag zum Klimaschutz vorzustellen.

Mut zu alternativen Ansätzen

Mir sind Umwelt- und Klimaschutz wichtig und daher mache ich einen Vorschlag, den ich bei der Stadt bzgl. einer Prüfung einreichen werde. Es mag sein, dass ich dabei rechtliche oder organisatorische Tücken auf Grund (noch) fehlenden Wissens übersehe. Aber es geht mir einfach um den Mut zu neuen alternativen Ansätzen. Probleme in der Umsetzung kann man lösen und ich stehe dabei gerne zur Verfügung.

Eine Diskussion über den Klimawandel und dessen Ursachen ist überfällig, das Ergebnis offen. Abgesichert ist dagegen die Annahme, dass ein umweltbewussteres Verhalten nicht zwingend zu Verbesserungen des Klimas, aber auf gar keinen Fall zu dessen Verschlechterung beiträgt.

Die Haushaltslage wird in Herdecke jährlich kritischer. Umso wichtiger ist es daher, den Fokus auf Kosten und Nutzen aller anstehenden Maßnahmen zu legen.

Nachfolgend stelle ich eine Projektidee vor, die genau dies berücksichtigt.

Projektidee „A+++ für Herdecke“

Die Stadt Herdecke stellt ihren Bürgerinnen und Bürgern ein Budget von z. B. 100.000 Euro für die Anschaffung von energieeffizienten Luftwärmepumpentrocknern ab einem noch festzulegenden Stichtag zur Verfügung. Damit fördert sie jeden Herdecker Haushalt einmalig mit 100 Euro beim Kauf eines neuen und besonders energiesparenden Luftwärmepumpentrockners (z. B. Energieeffizienzklasse „A+++“).

Die genannten 100.000 Euro entsprechen vermutlich ungefähr den Kosten, mit denen ein von den Grünen seit langem als notwendig erachteter sogenannter „Klimamanager“ den Herdecker Haushalt belasten würde. Bei der Schaffung einer solchen Position fielen diese Kosten an. Die Kosten für durchzuführende Maßnahmen kämen oben drauf.

Bei einer Verwendung des Betrages für die Umsetzung meiner Projektidee käme es bei einem deutlich geringeren Verwaltungsaufwand. Positive Effekte für die Umwelt und für alle anderen Beteiligten wären die direkte Folge.

Das Geld ließe sich also – anstatt für Personalkosten – auch zielgerichteter für praktischen Klimaschutz einsetzen.

Personalisierte Gutscheine

Die Förderung wird nicht bar, sondern in Form von personalisierten Gutscheinen für Herdecker Geschäfte, Dienstleister oder Handwerker gewährt. Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein Neugerät entschieden haben und dies nachweisen, können bei dem Gutschein frei unter allen Anbietern wählen. Die Herdecker Betriebe müssten im Vorfeld bzgl. einer Teilnahme zustimmen und könnten somit eine Umsatzsteigerung erwarten. Gerade in Zeiten von zunehmenden Leerständen in Fußgängerzonen wäre dies eine Maßnahme zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft. Die Stadt Herdecke profitiert indirekt über die Gewerbesteuer.

Sobald ein Geschäft, Dienstleister oder Handwerker den Gutschein eines Kunden eingelöst hat, erstattet die Stadt Herdecke dem jeweiligen Betrieb den Wert des Gutscheins.

Positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Umwelt

Bei einer Prämie von 100 Euro und einem Budget von 100.000 Euro könnten maximal 1.000 Haushalt in den Genuss einer Förderung kommen.

Falls ein Herdecker die Prämie in Anspruch nimmt, um das Gerät einem Dritten privat weiter zu verkaufen, kann er das tun. Er fungiert damit als Makler im Sinne des Umweltschutzes. Für den Käufer lohnt sich das Geschäft aber auch nur, falls er ein altes verbrauchsstarkes Gerät besitzt und dieses ersetzt. Da Klimaschutz nicht an der Stadtgrenze aufhört, wäre auch das eine gute Sache. Der Gutschein muss weiterhin in Herdecke von dem Herdecker Bürger selbst eingelöst werden.

Unabhängig davon, ob der Kauf für einen selbst oder für einen Dritten erfolgt, wären die Effekte für die Herdecker Wirtschaft und die Umwelt identisch. Das Vorgehen würde damit vor allem den Austausch von alten Kondenstrocknern der Energieeffizienzklasse „B“ durch sparsame Luftwärmepumpentrockner der Energieeffizienzklasse „A+++“ fördern, die „bis zu 70 Prozent Stromkosten“ (2) einsparen würden.

Enormes Energiesparpotential

Zur Veranschaulichung des Energiesparpotentiales und zum Vergleich der Gerätetypen gehen wir von branchenüblichen 160 Trockenzyklen pro Jahr und einem Strompreis von 26 Cent je Kilowattstunde (kWh) aus.

Auf Grund dieser Annahmen ergeben sich folgende beispielhafte Vergleichswerte:

VergleichswertKlasse „B“Klasse „A+++“ (3)
Stromverbrauch je Trockenzyklus3,31 kWh0,99 kWh
Jahresstromverbrauch530 kWh159 kWh
Jahresstromkosten137,80 Euro41,34 Euro

Beim Austausch eines Gerätes käme es also zu einer jährlichen Reduzierung des Stromverbrauches um 371 kWh. Bei 1.000 ersetzten Geräten also zu 371.000 kWh oder 371 MWh.

Bei einem angenommenen Kaufpreis von 488 Euro, einer Förderung von 100 Euro und einer jährlichen Stromkostenreduzierung um 96,46 Euro amortisiert sich der Kauf des sparsamen Gerätes bereits nach knapp über vier Jahren. Bei einer Nutzungsdauer von zehn bis zwölf Jahren ist dies ein gutes Geschäft. Bei Familien mit Kindern – die zumindest aus meiner Erfahrung – den Trockner weit mehr als 160-mal im Jahr nutzen, ist der Effekt sogar erheblich besser.

Laut „Stromspiegel“ liegt der durchschnittliche jährliche Stromverbrauch von vier Personen in einem Einfamilienhaus inkl. Wassererwärmung für Bad und Küche mittels Durchlauferhitzer jährlich bei ca. 5.000 kWh oder 5 MWh. (4)

Die durch die Tauschaktion mögliche Stromersparnis von 371 MWh entspricht also dem vollständigen Stromverbrauch von 74,2 Einfamilienhäusern, die jeweils von vier Personen bewohnt werden. Das Ergebnis kann sich also sehen lassen.

Mögliche Erweiterungen der Förderung

Spareffekte in ähnlichen Dimensionen lassen sich bspw. durch den Austausch von alten Kühlschränken oder die Verwendung von LED-Leuchtmitteln erzielen. Diese Möglichkeiten sind lange bekannt. Sie könnten ebenfalls in die Förderung einbezogen werden.

Bei allem Optimismus bliebe abzuwarten, ob sich in einer Stadt wie Herdecke 1.000 alte Trockner durch effizientere Modelle austauschen ließen. Durch die Erweiterung der Förderung auf Kühlschränke und LED-Leuchtmittel ließe sich das Anwendungsgebiet aber deutlich verbreitern.

Die Projektidee macht vor allem deutlich, welches Potential private Haushalte bzgl. der Stromersparnis und damit des Umwelt- bzw. Klimaschutzes bieten.

Eine Förderung durch die Stadt Herdecke wäre ein wirklich praktischer Ansatz, etwas für die Bürgerinnen und Bürger und vor allem das Klima zu tun. Die Höhe dieser Förderung, die Bedingungen der Inanspruchnahme und organisatorische Details müssen detailliert geklärt werden. Eine missbräuchliche Inanspruchnahme muss ausgeschlossen werden.

Vorteile für alle Beteiligten

Zusammenfassend ergeben sich die folgenden Vorteile:

  • Flexibilität bzgl. des Gesamtförderungsbetrages
  • Keine dauerhaften Personalkosten
  • Deutliche Reduzierung des Stromverbrauches und damit aktiver Klimaschutz
  • Umsatzsteigerung für die Herdecker Wirtschaft
  • Steigerung der Steuereinnahmen
  • Finanzielle Unterstützung der eigenen Bürgerinnen und Bürger
  • Erhöhte Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt
  • Geringer Verwaltungsaufwand

Ich würde mich freuen, wenn wir in Herdecke einen praktischen Weg in Sachen Umweltschutz einschlagen würden. Daher werde ich diese „Projektidee“ als Vorschlag bei der Stadt Herdecke einreichen und um deren Prüfung bzw. Ausgestaltung bitten.

Ihr

Oliver Haarmann

Quellen:

(1) https://afd-ennepe-ruhr.de/herdecke/2019/06/klimanotstand-in-herdecke-panikmache-statt-diskurs/

(2) https://www.energiewegweiser.de/zuhause/, siehe „Energiespartipps für Haushaltgeräte“, Seite 14

(3) Werte exemplarisch von folgendem Gerät: Beko DS7511PA Wärmepumpentrockner

(4) https://www.stromspiegel.de/stromverbrauch-verstehen/stromverbrauch-4-personen-haushalt/

Klimanotstand in Herdecke – Panikmache statt Diskurs

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Herdecke,

in seiner Sitzung am 06.06.2019 stimmten die Vertreter von Grünen und SPD im Ausschuss für Umwelt und Klima für einen Antrag der Grünen, in Herdecke den Klimanotstand auszurufen. Entschieden wird darüber in der Ratssitzung am 04.07.2019.

Der Klimawandel ist Realität

Es gibt einen weltweiten Klimawandel, das ist unstrittig.

Als mögliche Ursachen werden u. a. Veränderungen der Sonnenstrahlungen, vulkanische Aktivitäten, das Anwachsen der Weltbevölkerung und der Anstieg der Emissionen von Kohlendioxid gehandelt.

In der Medienberichterstattung und in den Altparteien wird fast ausschließlich die Meinung verbreitet bzw. vertreten, dass die gestiegenen menschengemachten Kohlendioxid-Emissionen für den Klimawandel und das Ansteigen der Temperaturen verantwortlich sind.

Den Klimawandel gibt es, einen Diskurs über dessen Ursachen und den Umgang damit leider nicht.

Jeder, der nur ansatzweise das Kohlendioxid als die Ursache des Klimawandels in Frage stellt oder versucht dagegen zu argumentieren, wird als „Klimawandel-Leugner“ oder Rechtspopulist abgestempelt. Damit wird jede aufkommende, aber vor allem notwendige Diskussion im Ansatz erstickt, was gerade bei der Wichtigkeit dieses Themas sehr bedauerlich ist.

Abgesicherte Bewertung der Ursachen des Klimawandels ist nicht möglich

Das Klima wird durch sehr, sehr viele Faktoren beeinflusst. Es mag sein, dass ganz natürliche Entwicklungen ursächlich sind, es mag sein, dass Veränderungen durch den Menschen verursacht sind.

Eine abgesicherte Bewertung ist auf Grund der verhältnismäßig geringen Anzahl an erfassten Daten, der zeitlichen Dimension von Klimaveränderungen und der Unmenge an beteiligten und sich laufend verändernden Parametern nicht seriös zu treffen. Vermutlich liegt die Wahrheit – wie so oft im Leben – in der Mitte.

Mehraufwand durch geplante Maßnahmen

Die Grünen beantragen, dass ab Juli 2019 in allen politischen Beschlussvorlagen das Kästchen „Auswirkungen auf den Klimaschutz“ verpflichtender Bestandteil wird. Dies bedeutet Mehraufwand für alle Beteiligten und daher höhere Kosten.

Die SPD-Vorschläge für die Einrichtung einer sogenannten „Klimawerkstatt zur Bündelung der Aktivitäten oder für Bewerbungen um entsprechende Fördermittel“ und die jährliche Erstellung einer Klimabilanz durch die Stadtverwaltung sind ebenfalls Garanten für erhöhten Verwaltungsaufwand.

Fördermittel- und Klimaschutzmanager

Diese Maßnahmen könnten auch gut in die Arbeitsplatzbeschreibungen der von SPD und Grünen in der nahen Vergangenheit geforderten Stellen für „Fördermittelmanager“ bzw. „Klimaschutzmanager“ passen.

Die Stelle des Klimaschutzmanagers in Herdecke war nach fünf Jahren Förderung durch den Bund im Februar 2019 ausgelaufen. Der Stadtrat hatte sich mehrheitlich – gegen die Stimmen der Grünen – dagegen entschieden, diese Stelle aus Eigenmitteln des städtischen Haushaltes darüber hinaus zu finanzieren.

Vermutlich werden die Grünen bei einer der nächsten Gelegenheiten einen Klimaschutzmanager, und die SPD einen Fördermittelmanager für Herdecke fordern, auf Kosten der Stadt Herdecke und damit auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger. Die anderen Parteien werden auf Grund der aktuellen Stimmung zum Thema Klima und aus Angst vor zukünftigen Stimmenverlusten zumindest die Schaffung der Position des Klimaschutzmanagers nicht verhindern. Auf die Stadt Herdecke kämen daher Kosten von ein bis zwei Vollzeitstellen zu.

Die Prüfung der Auswirkungen von Beschlüssen auf die Umwelt bzw. die Beantragung möglicher Fördergelder sind Selbstverständlichkeiten, die von den Verfassern der Beschlussvorlagen in relevanten Fällen zu erbringen sind. Die Schaffung explizit dafür vorgesehener Stellen ist in Anbetracht der Herdecker Haushaltslage nicht zu rechtfertigen.

Ausrufung des Klimanotstandes und die Folgen

Das Umweltbundesamt stellt fest: „Seit 1990 gehen die Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland nahezu kontinuierlich zurück.“ (1). Mit anderen Worten: die Situation bzgl. der Kohlendioxid-Emissionen verbessert sich in Deutschland – und damit auch in Herdecke – seit knapp 30 Jahren! Der Rückgang beträgt ca. 25 Prozent!

Und jetzt sollen Kreuzchen auf allen Beschlussvorlagen bzgl. der Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Einrichtung einer „Klimawerkstatt“ die Klimarettung vorantreiben?

Die Ausrufung des „Klimanotstandes“ in Herdecke wird zwei Dinge bewirken: Zum Ersten wird der „Klimanotstand“ bei einigen Menschen Angst oder im schlimmeren Fall Panik auslösen. Zum Zweiten unterbinden Grüne und SPD durch dessen Ausrufung den notwendigen offenen Diskurs über den Klimawandel und vertiefen dadurch die Gräben zwischen den Positionen.

Damit ist diese Maßnahme kontraproduktiv in Bezug auf den Klimaschutz und verantwortlich für eine weitere Spaltung der Gesellschaft, auch in Herdecke!

In naher Zukunft werde ich einen praktischen Vorschlag zum Klimaschutz in Herdecke vorstellen und zwecks Umsetzung einreichen. Dieser wird dem Klima, den Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaft und der Stadt Herdecke Vorteile bringen.

Ihr Oliver Haarmann

Quellen:

(1) https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland/kohlendioxid-emissionen#textpart-1